Theaterstück "Eldorado Europa"

 

Theaterstück „Eldorado Europa“
Werner von Siemens-Gymnasium, 24.05.2019 in Kooperation mit dem Polizeirevier Großenhain
Am 24.05.2019 besuchte der Künstler Riadh Ben Ammar (Leipzig) das Werner von Siemens-Gymnasium in Großenhain. Herr Ben Ammar befasst sich, aufgrund der eigenen Biografie, explizit mit der politischen Situation von Menschen aus Nordafrika. Bereits 2014, als die tunesische Revolution ausbrach, entwickelte er ein 1-Personen-Theater mit dem Titel „Hurria“ (Freiheit). Beim heutigen Besuch standen die Themen „Fehlende Bleibeperspektive“, „Leben in Gemeinschafsunterkünften“ und „Kriminalität von Menschen aus den Maghreb-Staaten“ im Mittelpunkt. Unterstützt wurde das Projekt zusätzlich von Frau Sandra Geithner, Leiterin des Polizeireviers Großenhain, und Frau Manuela Fischer, Mitarbeiterin im Kriminaldienst.

Frau Gerlinde Franke, Leiterin der Migrationsberatung der Diakonie Riesa-Großenhain gGmbH, begrüßte die rund 60 Teilnehmer der 7. und 8. Klassen. Es wurde kurz über Fluchtursachen gesprochen und „geerbte Privilegien“: Dies schließt das Privilegium ein, an einem Ort geboren worden zu sein, wo Grundbedürfnisse befriedigt werden können. In weiten Teilen der Welt ist das keine Selbstverständlichkeit. Wie geht es Menschen, die nach Deutschland migriert sind, hier jedoch keine Anerkennung erhalten? Die in Wohnheimen untergebracht sind, Warengutscheine statt Geld erhalten und in pausenloser Angst vor einer drohenden Abschiebung leben?

Nach langem Hoffen und Bangen hat Sami, der Protagonist des Theaterstücks, sein Ziel erreicht: Europa. Dort trifft er jedoch auf eine völlig andere Realität als erwartet. Nach der Flucht aus einer erstarrten Gesellschaft Nordafrikas ist sein Alltag wieder von endlosem Warten und Perspektivlosigkeit geprägt, von Kriminalisierung und Rassismus. In seinem Stück „Eldorado – Europa“ beschreibt Riadh Ben Ammar auf fesselnde Weise, wie sich die europäische Migrationspolitik auf das Leben junger Nordafrikaner in ihren Herkunftsländern und Europa auswirkt. Es verdeutlicht insbesondere die politische Situation von Nordafrikanern in Deutschland, im Dilemma zwischen fehlender Bleibeperspektive einerseits und dem Kampf um die Existenz andererseits. Kriminalität ist dabei ein Thema, mit dem viele Menschen aus Nordafrika in Verbindung gebracht werden.

Mitarbeiter der Polizei Großenhain haben im Anschluss geschildert, inwiefern es einen Zusammenhang gibt zwischen erfassten Straftaten und der Beteiligung von Menschen aus den Maghreb-Staaten (Tunesien, Marokko, Libyen, Algerien). Die emotionale Darstellung durch den Schauspieler wurde mit einer sachlichen Perspektive zu Gesetzen und politischem Recht ausgeglichen. Laut Statistik gibt es tatsächlich eine Beteiligung von Menschen aus den Maghreb-Staaten an polizeilichen Delikten. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, alle Personen aus dieser Region mit Polizei in Verbindung zu bringen.

Abschließend bot sich noch Raum, individuelle Fragen an alle Akteure und ihre unterschiedlichen Perspektiven zu stellen. Schüler wollten mehr über die finanzielle Versorgung von Asylsuchenden wissen oder was mit dem privaten Gepäck passiert, wenn Menschen abgeschoben werden. Auch: was können Menschen gegen eine drohende Abschiebung tun?

Die Mitarbeiter der Diakonie-Migrationsberatung bedanken sich ausdrücklich bei allen beteiligten Partnern für die gemeinsame Umsetzung dieser politischen Bildung. Spezieller Dank geht auch an Frau Angela Kernbach für die schulinterne Koordination.

https://www.diakonie-rg.de/aktuelles_theaterstueck_eldorado_europa_de.html